EU-Binnenmarkt? Freier Warenverkehr? Oder bald 27 Verpackungsbürokratien?
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Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR soll Verpackungen nachhaltiger machen, Recycling verbessern und die Regeln innerhalb Europas harmonisieren.
Das Ziel kann man unterstützen.
Aber als Unternehmer stellt sich mir eine andere Frage:
Was bedeutet das in der Praxis für kleine und mittelständische Unternehmen, die europaweit verkaufen wollen?
Ein deutscher Onlinehändler verkauft beispielsweise ein T-Shirt nach Frankreich, Österreich, Spanien oder Italien. Ein Produkt. Ein EU-Binnenmarkt.
Und trotzdem kann der Unternehmer für Verpackungen in mehreren Ländern unterschiedliche Pflichten erfüllen müssen.
🇩🇪 Deutschland: Registrierung und EPR-System
🇫🇷 Frankreich: nationales EPR-System
🇪🇸 Spanien: nationales Herstellerregister/EPR
🇮🇹 Italien: nationales System
🇦🇹 Österreich: nationale EPR-Pflichten
… und so weiter.
Wer direkt an Endkunden in einem anderen EU-Mitgliedstaat verkauft, kann dort selbst zum verantwortlichen „Hersteller“ im Sinne der Verpackungsregeln werden.
Das bedeutet je nach Konstellation:
→ Registrierung im jeweiligen Land
→ Beteiligung an einem nationalen Rücknahme-/EPR-System
→ Mengenmeldungen
→ Gebühren
→ Dokumentationspflichten
→ und grundsätzlich einen Bevollmächtigten für die erweiterte Herstellerverantwortung in anderen Mitgliedstaaten.
Und es gibt kein einziges zentrales EU-EPR-Register, bei dem sich ein kleiner Händler einmal anmeldet und anschließend europaweit verkaufen kann.
Genau hier wird es für mich wirtschaftspolitisch interessant.
Wir sprechen permanent von einem europäischen Binnenmarkt und freiem Warenverkehr.
Aber wie frei ist dieser Warenverkehr für einen kleinen Onlinehändler tatsächlich, wenn der Verkauf eines einzigen Pakets in ein weiteres EU-Land zusätzliche Registrierung, Administration und Kosten auslösen kann?
Für Amazon, Zalando oder internationale Konzerne sind zusätzliche Compliance-Kosten kalkulierbar.
Für einen kleinen Händler mit vielleicht zehn Bestellungen pro Jahr aus einem bestimmten EU-Land kann die Rechnung völlig anders aussehen.
Die Konsequenz könnte ausgerechnet das Gegenteil eines funktionierenden Binnenmarktes sein:
Kleine Händler beschränken ihre Liefergebiete wieder auf wenige Länder.
Nicht weil sie ihre Produkte dort nicht verkaufen wollen.
Sondern weil sich der administrative Aufwand nicht mehr rechnet.
Und dann sollten wir auch über eine grundsätzliche Frage sprechen:
Warum schafft die EU bei einem EU-weit geregelten Thema nicht gleichzeitig eine einzige Registrierung, eine Meldung und eine Abrechnung für den gesamten Binnenmarkt?
Nachhaltigkeit und Recycling: ja.
Verantwortung der Hersteller: ebenfalls ja.
Aber Regulierung muss auch für einen Betrieb mit zwei Mitarbeitern erfüllbar sein – und nicht nur für Unternehmen mit eigener Rechts-, Compliance- und Nachhaltigkeitsabteilung.
Europa braucht aus meiner Sicht nicht weniger Umweltschutz. Europa braucht weniger Komplexität bei dessen Umsetzung.
Sonst wird aus Regulierung irgendwann ein Wettbewerbsvorteil für die Großen und eine Markteintrittsbarriere für die Kleinen.
Wie sehen Sie das?
Brauchen wir für Verpackungen ein echtes EU-One-Stop-System statt nationaler Registrierungen und Systeme?
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